Frühburgunder ist eine natürliche Mutation des Spätburgunders, international Pinot Noir. Er reift rund zwei Wochen früher, ergibt meist dunklere, vollmundige Weine mit weniger Säure und ist eine echte Rarität: In Deutschland stehen nur rund 220 Hektar. Der Spätburgunder ist dagegen die wichtigste Rotweinsorte des Landes und bringt eher helle, elegante Weine mit lebendiger Säure hervor.
Die Unterschiede auf einen Blick
| Frühburgunder | Spätburgunder | |
|---|---|---|
| Herkunft | Mutation des Spätburgunders | alte Sorte aus dem Burgund |
| andere Namen | Pinot Madeleine, Pinot Noir Précoce | Pinot Noir, Blauburgunder |
| Reife | etwa zwei Wochen früher | rund zwei Wochen später |
| Rebfläche in Deutschland | rund 220 Hektar | die größte Rotweinfläche des Landes |
| Farbe im Glas | meist dunkler | meist heller, transparent |
| Stil | vollmundig, seidig, milde Säure | elegant, frisch, feine Gerbstoffe |
Eine Familie: die Burgunder
Der Spätburgunder stammt aus dem Burgund und gehört zu den ältesten Rebsorten Europas. Er verändert sich im Weinberg immer wieder von selbst: Aus ihm sind unter anderem Grauburgunder und Weißburgunder hervorgegangen. Auch der Frühburgunder ist eine solche natürliche Mutation.
Die beiden sind also keine Geschwister, sondern eher Eltern und Kind. Der Frühburgunder hat vom Spätburgunder vieles geerbt, vor allem die dünne Beerenhaut und den feinen, fruchtbetonten Charakter.
Der Unterschied im Weinberg
Der Name sagt es: Der Frühburgunder reift etwa zwei Wochen vor dem Spätburgunder. Das ist ein Vorteil, denn so kann er gelesen werden, bevor im Herbst die Fäulnis zuschlägt, die bei Spätburgunder die Farbe schwächen kann.
Dafür ist er im Anbau schwierig. Die Blüte gilt als empfindlich, die Erträge sind gering und schwanken. In den 1960er-Jahren war der Frühburgunder in Deutschland fast verschwunden, nur rund 15 Hektar waren noch im Ertrag. Erst eine gezielte Erhaltungszüchtung in Geisenheim ab Mitte der 1970er-Jahre hat ihn gerettet. Heute steht er in der Arche des Geschmacks von Slow Food, einer Liste bedrohter regionaler Lebensmittel und Sorten.
Die meisten Frühburgunder-Reben stehen in Rheinhessen, in der Pfalz und an der Ahr. Zusammen sind es rund 220 Hektar, gerade einmal 0,2 Prozent der deutschen Rebfläche.
Der Unterschied im Glas
Frühburgunder ist meist dunkler in der Farbe als Spätburgunder. Im Duft zeigt er Kirsche, Brombeere, schwarze Johannisbeere und Himbeere, oft mit einer würzigen Note. Am Gaumen wirkt er vollmundig und seidig, mit milder Säure.
Spätburgunder ist heller, oft fast durchscheinend. Er duftet nach roten Früchten wie Kirsche, Himbeere und Erdbeere, mit der Reife kommen Noten von Waldboden, Unterholz und Gewürzen dazu. Er hat feine Gerbstoffe und eine lebendige Säure, die ihn frisch und elegant wirken lässt.
Wie stark die Unterschiede ausfallen, hängt wie immer von Lage, Jahrgang und Ausbau ab. Ein Spätburgunder aus dem Barrique kann kräftiger sein als ein leichter Frühburgunder. Den direkten Vergleich im Glas ersetzt keine Tabelle.
Wozu passen die beiden?
Frühburgunder passt dank seiner Fülle und milden Säure gut zu Geflügel, Ente, Lamm, Pilzgerichten und Schmorgerichten mit nicht zu kräftiger Sauce.
Spätburgunder ist einer der vielseitigsten Speisebegleiter. Leichte Spätburgunder passen zu Lachs, Thunfisch, Geflügel und Pilzen, kräftigere aus dem Holzfass zu Wild, Rind und gereiftem Käse.
Beide trinkst du nicht zu warm. Leichte Varianten schmecken bei 14 bis 16 °C, kräftige bei 16 bis 18 °C. Mehr dazu im Beitrag über die Trinktemperatur.
Spätburgunder und Frühburgunder zum Vergleichen
Häufige Fragen zu Frühburgunder und Spätburgunder
Die Antworten auf die Fragen, die uns zu den beiden Burgundern am häufigsten erreichen.
Der Frühburgunder ist eine Mutation des Spätburgunders und reift rund zwei Wochen früher. Er ist meist dunkler, vollmundiger und säureärmer, der Spätburgunder heller, frischer und eleganter.
Nicht ganz. Frühburgunder stammt vom Pinot Noir ab, ist aber eine eigene Sorte. International heißt er Pinot Madeleine oder Pinot Noir Précoce.
Er ist im Anbau schwierig und bringt nur geringe Erträge. In Deutschland stehen nur rund 220 Hektar, vor allem in Rheinhessen, der Pfalz und an der Ahr.
Nach Kirsche, Brombeere, schwarzer Johannisbeere und Himbeere, oft mit einer würzigen Note. Er wirkt vollmundig und seidig und hat eine milde Säure.
Geflügel, Ente, Lamm, Pilzgerichte und Schmorgerichte mit nicht zu kräftiger Sauce.
Die zwei Burgunder im direkten Vergleich
Wie unterschiedlich Mutter und Tochter schmecken, merkst du am besten nebeneinander im Glas. Genau solche Vergleiche machen wir in unseren Tastings.




