Zwei Gläser Rotwein, und am nächsten Morgen pocht der Schädel. Schuld sind angeblich die Sulfite — nur hat das nie jemand nachgewiesen. Was die Forschung stattdessen gefunden hat, steht hier.
Warum du nach Wein Kopfschmerzen bekommst
Du hast zwei Gläser Rotwein getrunken und wachst mit pochendem Schädel auf. Die Suche nach dem Schuldigen führt fast immer zu denselben Verdächtigen: Sulfite, Histamin, billiger Wein. Die Forschung sieht das anders. Die meisten dieser Verdächtigen hat sie nie bestätigt, und beim wichtigsten Auslöser ist sie sich seit Langem einig.
Was gesichert ist
Der Alkohol selbst trägt die Hauptlast, und er tut es auf mehreren Wegen gleichzeitig:
- Er erweitert deine Blutgefäße. Alkohol wirkt gefäßerweiternd. Das ist der Grund für das warme Gesicht nach dem ersten Glas, und es reizt schmerzempfindliche Strukturen im Kopf.
- Er entzieht dir Flüssigkeit. Alkohol hemmt ein Hormon, das deine Nieren bremst. Du scheidest mehr aus, als du trinkst. Flüssigkeitsmangel ist ein klassischer Kopfschmerzauslöser.
- Er hinterlässt ein Zwischenprodukt. Dein Körper baut Ethanol in zwei Schritten ab. Zuerst macht die Alkoholdehydrogenase, kurz ADH, daraus Acetaldehyd, einen Stoff, der deutlich giftiger ist als der Alkohol selbst. Dann baut die Aldehyddehydrogenase, kurz ALDH, das Acetaldehyd weiter zu Essigsäure ab. Solange der zweite Schritt hinterherhinkt, staut sich Acetaldehyd an.
- Die Menge entscheidet. Das ist unbequem, aber belegt: Der stärkste Einzelfaktor ist, wie viel du getrunken hast.
Dazu kommen die Fuselöle, Begleitstoffe, die bei der Gärung entstehen. Sie stehen im Verdacht, den Kater zu verstärken, und kommen in dunklen Getränken reichlicher vor als in hellen.
Was verdächtigt wurde und nie belegt ist
Hier wird es interessant, denn die bekanntesten Erklärungen halten der Prüfung nicht stand. Eine Arbeit der University of California, Davis, fasste 2023 den Forschungsstand zusammen: Kein einzelner Inhaltsstoff des Weins ist bisher klar als Auslöser nachgewiesen worden.
- Sulfite. Der beliebteste Verdächtige und der am gründlichsten widerlegte. Sulfite können bei Asthmatikern Atemwegsreaktionen auslösen. Für Kopfschmerzen gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg. Trockenfrüchte enthalten ein Vielfaches der Menge, die in Wein steckt, ohne dass jemand sie für Kopfschmerzen verantwortlich macht.
- Histamin und andere biogene Amine. Sie stehen seit Jahrzehnten auf der Verdächtigenliste. Belegt ist der Zusammenhang nicht.
- Tannine. Ebenfalls verdächtigt, ebenfalls ohne Nachweis.
Was auf dem Etikett steht, hilft übrigens nicht weiter. Ab zehn Milligramm je Liter muss der Hinweis „enthält Sulfite" dort stehen, ein Gehalt in Zahlen steht nicht darauf.
Die neue Spur: Quercetin
Dieselbe Arbeit aus Davis schlägt eine Erklärung vor, die bisher übersehen wurde. Rotwein enthält Quercetin, einen Pflanzenstoff, den sonnenexponierte Trauben besonders reichlich bilden. Im Körper entsteht daraus Quercetin-3-glucuronid, und dieses Abbauprodukt hemmt im Laborversuch genau jenes Enzym, das Acetaldehyd abbaut.
Wird ALDH gehemmt, staut sich Acetaldehyd an. Das würde erklären, warum manche Menschen ausgerechnet von Rotwein Kopfschmerzen bekommen und von anderen alkoholischen Getränken nicht.
Eine Einschränkung gehört dazu, und die Autoren machen sie selbst: Das sind Labordaten. Der Versuch am Menschen steht noch aus. Es ist eine gut begründete Hypothese, kein Beweis.
Rotwein oder Weißwein, macht das einen Unterschied?
Viele berichten, dass ihnen Rotwein stärker zusetzt als Weißwein. Belegt ist der Unterschied nicht, aber es gibt einen plausiblen Grund: Rotwein vergärt mit den Beerenschalen, und dort sitzen die Pflanzenstoffe, Quercetin eingeschlossen. Weißwein wird üblicherweise ohne Schalenkontakt ausgebaut und enthält deutlich weniger davon.
Ob das der Grund ist, weiß derzeit niemand sicher. Wer den Unterschied bei sich bemerkt, kann ihn ernst nehmen, ohne ihn für erwiesen zu halten.
Sofort oder erst am nächsten Tag?
Beides kommt vor, und es sind zwei verschiedene Dinge. Kopfschmerzen, die schon ein bis drei Stunden nach dem ersten Glas einsetzen, treten während des Trinkens auf, oft bei kleinen Mengen. Genau dieses Phänomen untersucht die Arbeit aus Davis. Der Katerkopfschmerz dagegen meldet sich, wenn der Alkoholspiegel wieder fällt, typischerweise am Morgen danach, und hängt vor allem an der Menge. Wer regelmäßig den früh einsetzenden Typ erlebt, reagiert womöglich auf etwas anderes als die Menge allein.
Was du tun kannst
- Trinke Wasser dazu. Ein Glas zwischendurch gleicht den Flüssigkeitsverlust aus.
- Achte auf die Menge. Der am besten belegte Faktor ist auch der, den du am leichtesten steuerst.
- Beobachte dich selbst. Wenn dir ein bestimmter Wein regelmäßig zusetzt, ist das ein Hinweis, auch wenn die Forschung den Mechanismus noch nicht kennt.
- Bei wiederkehrenden Beschwerden gehört die Frage zu einer Ärztin oder einem Arzt, nicht in einen Blogbeitrag.
Häufige Fragen
Was uns zu Kopfschmerzen nach Wein am häufigsten erreicht.
Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg. Sulfite können bei Asthmatikern Atemwegsreaktionen auslösen, für Kopfschmerzen wurden sie nie nachgewiesen. Trockenfrüchte enthalten ein Vielfaches der Menge, die in Wein steckt.
Eine Arbeit der University of California, Davis, hat 2023 eine Erklärung vorgeschlagen: Quercetin, ein Pflanzenstoff aus den Beerenschalen, hemmt im Laborversuch das Enzym, das Acetaldehyd abbaut. Rotwein vergärt mit den Schalen und enthält deutlich mehr davon. Bewiesen ist das nicht — der Versuch am Menschen steht aus.
Wasser gleicht den Flüssigkeitsverlust aus, und die Menge ist der am besten belegte Faktor. Wer regelmäßig Beschwerden hat, bespricht das mit einer Ärztin oder einem Arzt statt im Internet.
Histamin und andere biogene Amine stehen seit Jahrzehnten auf der Verdächtigenliste. Belegt ist der Zusammenhang nicht — so wenig wie bei Sulfiten oder Tanninen.
Das sind zwei verschiedene Dinge. Kopfschmerzen ein bis drei Stunden nach dem ersten Glas treten während des Trinkens auf, oft bei kleinen Mengen — genau dieses Phänomen untersucht die Arbeit aus Davis. Der Katerkopfschmerz meldet sich erst, wenn der Alkoholspiegel fällt.
Herausfinden, was dir bekommt
Welcher Wein dir liegt, zeigt sich am besten im Vergleich. In unseren Tastings probierst du mehrere nebeneinander, in kleinen Mengen und mit Zeit dazwischen.

