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Sinne schärfen: Geruch und Geschmack für Wein trainieren

Aromen erkennen lässt sich üben, und zwar mit Hausmitteln. Wir zeigen dir, wie du dir ein Aromenarchiv aus Grundwein und frischen Zutaten baust und wie du Süße und Säure so trainierst, dass du sie im Wein sicher auseinanderhältst.

Brano
Gründer von TIME2TASTE
Veröffentlicht am 17.02.2024 · Aktualisiert am 24.09.2026
Schärfe deine Sinne: Frisches Obstsortiment mit Äpfeln, Birnen, Orangen, Melonen und Aprikosen auf einem Markt.

Wer Aromen im Wein benennen kann, hat keinen besseren Gaumen als andere — er hat nur geübt. Riechen und Schmecken sind Gedächtnisleistungen: Du erkennst nur, was du schon einmal bewusst wahrgenommen hast. Hier findest du drei Wege, dieses Gedächtnis aufzubauen, alle mit Dingen aus dem Supermarkt.

Warum Training wirklich hilft

Die Nase unterscheidet weit mehr Gerüche, als die meisten Menschen benennen können. Das Problem ist nicht die Wahrnehmung, sondern die Zuordnung: Ein Duft wirkt vertraut, aber das Wort dazu fehlt.

Deshalb funktioniert Training über Referenzen. Du riechst eine Sache bewusst, verbindest sie mit ihrem Namen — und beim nächsten Mal im Weinglas fällt dir der Name wieder ein. Achte im Alltag auf Gerüche von Früchten, Kräutern, Erde, Gewürzen und Holz. Das kostet nichts und wirkt schneller, als man denkt.

Dein Aromenarchiv selbst bauen

Fertige Aromensets wie Le Nez du Vin, Aromaster oder Aromabar liefern Weinaromen in kleinen Fläschchen. Sie sind praktisch, aber teuer — und sie riechen nach Extrakt, nicht nach der Sache.

Günstiger und naturgetreuer geht es mit einem neutralen Grundwein und frischen Zutaten. Nimm einen einfachen, trockenen Weißwein ohne eigenes Aroma und setze damit an, was du trainieren willst. Die Ansätze halten im Kühlschrank ein bis zwei Tage.

Aroma So setzt du es an

Ananas

1/12 einer frischen Ananas in 200 ml Grundwein ziehen lassen

Apfel, Birne

Apfel bzw. Birne zerkleinern und 3 Std. im Grundwein ziehen lassen

Dörrpflaume

2 Dörrpflaumen zerkleinern und 3 Stunden in 100 ml Grundwein ziehen lassen

Eichenholz

Eichenholzspäne (1 g) 1 Std. bei 60 °C im Backofen rösten und dann 3 Std. in 100 ml Grundwein ziehen lassen

Erdbeere

1 pürierte Erdbeere in 70 ml Grundwein ziehen

Grapefruit

Grapefruitsaft 1:2 mit dem Grundwein mischen

Gras

Frisches Gras zerkleinern und 2 Std. im Grundwein ziehen lassen

Grüne Paprika

Ein 10 × 10 mm großes Stück frische Paprika 30 Min. in 100 ml Grundwein ziehen lassen

Himbeere

2 pürierte Himbeeren 1 Stunde in 100 ml Grundwein ziehen lassen

Honig

Honig (2 TL) in 30 ml Grundwein auflösen

Johannisbeere

Cassis-Sirup (10 ml) in 90 ml Grundwein mischen

Kaffee

1 zerkleinerte Kaffeebohne in 100 ml Grundwein ziehen lassen

Kakao

2 Messerspitzen Kakao in 100 ml Grundwein ziehen lassen

Kräuter

0,5 bis 1 ml Kräuterlikör in 100 ml Grundwein geben

Nelke

2 Gewürznelken 3 Std. in 100 ml Grundwein ziehen lassen

Pfeffer

2 Pfefferkörner zerdrückt in 100 ml Grundwein ziehen lassen

Pfirsich, Aprikose

Aprikosen-/Pfirsichnektar 1:1 mit dem Grundwein vermischen

Pilze

Champignons (30 g) klein schneiden, 3 Std. in 200 ml Grundwein ziehen lassen

Vanille

Vanilleextrakt (1 ml) in 100 ml Grundwein mischen

Zitrone

Zitronensaft 1:2 mit dem Grundwein geben

Rieche jeden Ansatz erst für sich, dann im Vergleich zum reinen Grundwein. Der Unterschied ist das, was du dir merken sollst.

Übung 1: Süße erkennen

Restzucker ist die Größe, die auf jedem Datenblatt steht — und die am schwersten zu schätzen ist. Diese Übung kalibriert dich auf genau die Schwellen, nach denen Weine benannt werden.

Löse Haushaltszucker in stillem Wasser auf, je einen Liter:

  • 4 Gramm — die Obergrenze für trocken
  • 12 Gramm — die Obergrenze für halbtrocken
  • 45 Gramm — die Obergrenze für lieblich; darüber heißt ein Wein süß

Probiere die drei blind und in wechselnder Reihenfolge. Vier Gramm auf den Liter schmecken kaum nach Zucker, sind aber deutlich von reinem Wasser zu unterscheiden — und genau das ist der Punkt. Wer diese Schwelle kennt, erkennt später im Glas, ob ein trockener Wein knapp unter der Grenze liegt oder weit darunter.

Übung 2: Säure erkennen

Die Säure im Wein liegt meist zwischen vier und neun Gramm je Liter. Sie entscheidet darüber, ob ein Wein frisch wirkt oder breit.

Weinsäure bekommst du in der Apotheke oder im Backregal. Löse sie in stillem Wasser auf, je einen Liter:

  • 4 Gramm — wenig Säure, wie in einem warmen Jahrgang aus dem Süden
  • 6 Gramm — der mittlere Bereich, in dem die meisten Weine liegen
  • 9 Gramm — viel Säure, wie in einem kühlen Jahrgang oder einem jungen Riesling

Zitronensäure tut es zur Not auch, schmeckt aber spitzer und weniger rund als Weinsäure. Wer beide zur Hand hat, sollte den Unterschied einmal nebeneinander probieren — er erklärt, warum Winzer über Säuremanagement reden.

Übung 3: Süße und Säure zusammen

Jetzt wird es interessant. Löse in zwei Gläsern dieselbe Menge Zucker auf — 12 Gramm je Liter — und gib nur in eines davon 6 Gramm Weinsäure.

Das Glas mit Säure schmeckt spürbar weniger süß, obwohl exakt gleich viel Zucker darin ist. Die Säure verdeckt die Süße, und die Süße mildert die Säure. Deshalb kann ein Wein mit 9 Gramm Restzucker trocken schmecken und auch so heißen — das Weinrecht erlaubt die Angabe „trocken“ bis 9 Gramm, wenn die Gesamtsäure höchstens 2 Gramm unter dem Restzucker liegt.

Wer diesen Zusammenhang einmal geschmeckt hat, liest Datenblätter anders. Zwei Weine mit identischem Restzucker können völlig verschieden wirken, und der Unterschied steht in der Zeile darunter.

Worauf du beim Verkosten achtest

Drei Gewohnheiten bringen mehr als jedes Aromenset:

  • Kauen statt schlucken — wer den Wein im Mund bewegt, setzt Aromen frei, die über den Rachen zur Nase gelangen. Dort entsteht der größere Teil dessen, was wir Geschmack nennen.
  • Neutral bleiben — Kaffee, Zahnpasta, Parfum und Zigaretten legen sich über alles. Eine halbe Stunde Abstand reicht meist.
  • Notieren — auch stichwortartig. Wer aufschreibt, was er riecht, erinnert sich beim nächsten Mal daran; wer nur nickt, nicht.

Und der schnellste Weg bleibt der Vergleich: Mehrere Weine nebeneinander zeigen in zehn Minuten mehr als zehn Flaschen nacheinander. Genau darum geht es bei einer geführten Weinprobe.

Drei Weine zum Nachschmecken

Weingut Landgraf - Riesling trocken
Weißwein 8,90€
Lebensmittelangaben· 0.75l · 11,87€/l
Weingut Landgraf - Riesling trocken
Weingut Landgraf - Riesling feinherb
Weißwein 8,90€
Lebensmittelangaben· 0.75l · 11,87€/l
Weingut Landgraf - Riesling feinherb
Meiser - Vogelsang Weißer Burgunder
Beerenauslese 14,90€
Lebensmittelangaben· 0.375l · 39,73€/l
Meiser - Vogelsang Weißer Burgunder

Häufige Fragen zum Training

Einen einfachen, trockenen Weißwein ohne eigenes Aroma — etwa einen neutralen Silvaner oder Weißburgunder aus dem unteren Preissegment. Je weniger der Wein selbst mitbringt, desto klarer tritt die Zutat hervor.

Ein bis zwei Tage im Kühlschrank. Danach verändern sich die Ansätze, vor allem die mit frischem Obst. Setze lieber kleine Mengen an und wiederhole die Übung.

Ja, sie tut es zur Not. Zitronensäure schmeckt allerdings spitzer und weniger rund als Weinsäure, die im Wein tatsächlich vorkommt. Für eine erste Kalibrierung reicht sie, für den Feinschliff nicht.

Weil die Säure ihn verdeckt. Zwei Weine mit je 12 Gramm Restzucker wirken völlig verschieden, wenn einer 5 und der andere 8 Gramm Säure trägt. Deshalb erlaubt das Weinrecht die Angabe „trocken“ bis 9 Gramm Restzucker, sofern die Gesamtsäure höchstens 2 Gramm darunter liegt.

Lieber kurz und regelmäßig als selten und lang. Zwanzig Minuten pro Woche mit drei Referenzen bringen mehr als ein ganzer Nachmittag alle drei Monate — Geruchsgedächtnis baut sich über Wiederholung auf.

Wein zum Probieren

Üben kannst du allein — vergleichen geht besser zu mehreren. In unseren Tastings stehen mehrere Weine nebeneinander, und wir sagen dir, worauf du achten sollst.