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Weinfehler erkennen: Kork, Böckser, Essigstich und Co.

Muffig, nach faulen Eiern oder nach Essig: Die meisten Weinfehler verraten sich schon beim ersten Riechen. Hier erfährst du, wie du die typischen Fehler erkennst, woher sie kommen und was nur so aussieht wie ein Fehler.

Brano
Gründer von TIME2TASTE
Veröffentlicht am 22.02.2024 · Aktualisiert am 29.09.2026
Weinfehler erkennen: Nahaufnahme eines beschädigten Korkens mit Risszeichnung, symbolisiert Weindegeneration.

Die meisten Weinfehler erkennst du an der Nase. Ein muffiger Geruch nach nassem Karton ist ein Korkschmecker, faule Eier oder verbranntes Gummi deuten auf einen Böckser, ein stechender Essiggeruch auf einen Essigstich. Kristalle, Bodensatz oder Korkkrümel im Glas sind dagegen keine Weinfehler.

Die typischen Weinfehler im Überblick

Weinfehler So riecht und schmeckt er Ursache
Korkschmecker muffig, nasser Karton, feuchter Keller, Frucht wirkt stumpf Trichloranisol, meist aus dem Korken
Böckser faule Eier, verbranntes Gummi, Knoblauch Schwefelverbindungen aus der Gärung
Oxidation Nüsse, angedrückter Apfel, Sherry, Farbe bräunlich zu viel Sauerstoff
Essigstich stechend, Essig, Nagellackentferner Essigsäurebakterien, flüchtige Säure
Brettanomyces Pferdestall, Leder, Teer eine Hefe, vor allem im Holzfass
Untypische Alterungsnote Mottenkugeln, Bohnerwachs, Frucht fehlt Stress der Reben im Weinberg
Lichtgeschmack gekochter Kohl, Kartoffel Licht auf Weißwein oder Sekt

Korkschmecker

Der Korkschmecker ist der bekannteste Weinfehler. Verantwortlich ist meist der Stoff 2,4,6-Trichloranisol, kurz TCA. Er entsteht, wenn Mikroorganismen im Kork bestimmte chlorhaltige Stoffe umwandeln. Schon ein bis zehn Milliardstel Gramm je Liter reichen, damit du ihn riechst.

Typisch ist ein muffiger Geruch nach nassem Karton oder feuchtem Keller. Bei einem leichten Korkschmecker riecht der Wein nicht direkt nach Kork, er wirkt nur flach und ohne Frucht. Der Geruch wird im Glas mit der Zeit eher stärker als schwächer.

Am Korken selbst lässt sich der Fehler nicht sicher erkennen. Riech lieber am Wein im Glas.

Böckser

Ein Böckser riecht nach faulen Eiern, verbranntem Gummi oder Knoblauch. Er entsteht bei der Gärung, wenn die Hefe zu wenig Stickstoff zur Verfügung hat und schwefelhaltige Verbindungen wie Schwefelwasserstoff bildet. Ein leichter Böckser verfliegt manchmal, wenn der Wein in der Karaffe Luft bekommt. Ein starker bleibt.

Oxidation und Essigstich

Bei der Oxidation hat zu viel Sauerstoff den Wein erreicht, etwa durch einen undichten Korken oder zu wenig Schutz durch Schwefel. Der Wein verliert seine Frucht, riecht nach Nüssen, angedrücktem Apfel oder Sherry, und seine Farbe wird bräunlich. Bei Sherry oder Tawny Port ist dieser Ton gewollt, bei einem jungen Weißwein ist er ein Fehler.

Beim Essigstich haben Essigsäurebakterien einen Teil des Alkohols in Essigsäure umgewandelt. Der Wein riecht stechend nach Essig, oft auch nach Nagellackentferner. Das passiert auch, wenn eine geöffnete Flasche zu lange warm steht. Wie lange offener Wein hält, liest du im Beitrag Wie lange hält sich offener Wein?

Brettanomyces und Untypische Alterungsnote

Brettanomyces, kurz Brett, ist eine Hefe, die vor allem in Rotweinen beim langen Ausbau im Holzfass wachsen kann. Sie bildet Stoffe, die nach Pferdestall, Leder oder Teer riechen. In kleinen Mengen empfinden manche das als würzig, in größeren überdeckt es die Frucht.

Die Untypische Alterungsnote, kurz UTA, betrifft vor allem Weißweine. Sie riechen dann schon jung nach Mottenkugeln oder Bohnerwachs, die Frucht fehlt. Ursache ist Stress der Reben im Weinberg, etwa durch Trockenheit, Stickstoffmangel oder zu hohe Erträge.

Was kein Weinfehler ist

  • Weinstein: Glasklare Kristalle am Boden oder am Korken sind Weinstein, ein Salz der Weinsäure. Er verändert den Geschmack nicht.
  • Depot: Bodensatz in gereiftem Rotwein besteht aus Farb- und Gerbstoffen. Er gehört zur Reife, im Glas stört er aber. Wie du ihn loswirst, erklärt der Beitrag über das Depot im Wein.
  • Korkkrümel: Sie stammen vom Öffnen und sagen nichts über den Wein. Einfach mit dem Löffel herausfischen.
  • Schimmel auf dem Korken: Etwas Schimmel oder Ablagerungen oben auf dem Korken unter der Kapsel sagen nichts über den Wein. Wisch die Flaschenöffnung einfach vor dem Einschenken sauber.
  • Feine Bläschen im Weißwein: Manche junge Weißweine haben etwas Kohlensäure aus der Gärung. Das macht sie spritzig.
  • Kirchenfenster: Die Schlieren, die am Glas herunterlaufen, zeigen Alkohol und Zucker, keinen Fehler. Mehr dazu im Beitrag über Kirchenfenster im Wein.

So vermeidest du Fehler, die du selbst in der Hand hast

Korkschmecker, Böckser, Brett und UTA entstehen beim Winzer oder im Korken. Oxidation, Essigstich und Lichtgeschmack kannst du dagegen selbst verhindern: Lagere Wein kühl, dunkel und ruhig, Flaschen mit Naturkorken liegend. Wie das zu Hause gelingt, liest du im Beitrag über die Weinlagerung. Und ein offener Wein gehört verschlossen in den Kühlschrank.

Hast du einen fehlerhaften Wein gekauft, bewahre die Flasche mit dem Rest und den Korken auf und wende dich an den Händler, bei dem du ihn gekauft hast.

Häufige Fragen zu Weinfehlern

Die Antworten auf die Fragen, die uns zu Weinfehlern am häufigsten erreichen.

Der Wein riecht muffig nach nassem Karton oder feuchtem Keller, die Frucht wirkt stumpf. Riech dafür am Wein im Glas, nicht am Korken.

Nach faulen Eiern, verbranntem Gummi oder Knoblauch. Ein leichter Böckser verfliegt manchmal an der Luft, ein starker bleibt.

Nein. Das ist Weinstein, ein Salz der Weinsäure, das bei Kälte auskristallisiert. Er verändert den Geschmack nicht.

Er riecht nach Nüssen, angedrücktem Apfel oder Sherry, die Frucht fehlt und die Farbe zieht ins Bräunliche.

Bewahre die Flasche mit dem Rest und den Korken auf und wende dich an den Händler, bei dem du den Wein gekauft hast.

Die Nase trainieren

Weinfehler erkennst du am sichersten, wenn du weißt, wie ein Wein ohne Fehler riecht. In unseren Tastings schulen wir genau das: bewusst riechen, schmecken und beschreiben.