Komplexität beschreibt die Vielschichtigkeit eines Weins: wie viele verschiedene Aromen und Eindrücke er zeigt und wie sie sich im Glas und am Gaumen entwickeln. Ein komplexer Wein offenbart immer neue Facetten, statt nur eine Note zu zeigen. Komplexität gilt neben Balance und Länge als Kennzeichen großer Weine.
Manche Weine sind wie ein einzelner klarer Ton — angenehm, aber schnell erzählt. Andere sind wie ein ganzes Musikstück, das sich mit jedem Schluck weiterentwickelt. Diese Vielschichtigkeit meint der Begriff Komplexität.
Ein komplexer Wein zeigt nicht nur ein oder zwei Aromen, sondern ein ganzes Bündel — Frucht, Blüten, Gewürze, Röstnoten, Reifetöne — und das nicht statisch: Er verändert sich im Glas, während er Luft bekommt, und entfaltet am Gaumen andere Nuancen als in der Nase. Genau dieses Immer-wieder-Neue unterscheidet einen großen Wein von einem soliden Alltagswein.
Woher kommt Komplexität? Meist aus dem Zusammenspiel vieler Faktoren: gutes Traubenmaterial, ein durchdachter Ausbau und vor allem Reife. Erst über die Jahre entstehen die Sekundär- und Tertiäraromen, die einem Wein Tiefe geben. Deshalb sind hochwertige Weine oft auch die lagerfähigeren. Aber Vorsicht vor dem Umkehrschluss: Komplexität allein macht keinen guten Wein — sie muss mit Balance zusammenkommen. Ein vielschichtiger, aber unausgewogener Wein ist anstrengend, kein Genuss.
Siehe auch: Verkostung.