Portwein
Wein

Portwein: Geschichte, Herstellung und Unterschiede

Aus einem Handelskrieg wurde ein Wein und aus dem Wein die erste geschützte Herkunft der Welt. Wie Portwein nach England kam und warum das Douro-Tal seit 1756 Grenzsteine hat.

Brano
Gründer von TIME2TASTE
Veröffentlicht am 03.06.2024 · Aktualisiert am 22.09.2026
Portwein Fässer in einem Lager, die traditionelle Lagerung des Portweins dokumentiert.

Portwein ist nicht in Portugal erfunden worden, sondern für England. Aus einem Handelskrieg des 17. Jahrhunderts wurde ein Wein, aus einem Wein ein Geschäft — und aus dem Geschäft die erste gesetzlich geschützte Weinregion der Welt.

Ein Krieg, ein Durst, eine Lücke

England und Frankreich lagen im 17. Jahrhundert in Dauerkonflikt. Französischer Wein wurde mit Strafzöllen belegt und zeitweise ganz verboten — und in England fehlte plötzlich das Alltagsgetränk der Oberschicht.

Die Händler wichen nach Portugal aus, mit dem England seit Jahrhunderten verbündet war. Die Weine von dort hatten allerdings ein Problem: Sie überstanden die Seereise schlecht und kamen oft verdorben an.

Die Lösung war ein Schuss Weinbrand ins Fass. Er machte den Wein haltbar — und nebenbei süßer und stärker. Aus der Notlösung wurde der Stil.

Die Geschichte mit dem Kloster

Erzählt wird sie so: 1678 schickt ein Weinhändler aus Liverpool seine beiden Söhne nach Portugal. In einem Kloster bei Lamego setzt ihnen der Abt einen Wein vor, wie sie ihn noch nie getrunken haben — süß, kräftig, samtig. Das Geheimnis: Der Branntwein kam schon während der Gärung dazu, nicht erst danach.

Die Brüder kaufen den gesamten Vorrat und verschiffen ihn nach England, wo der Wein einschlägt. Der Siegeszug beginnt.

Ob es sich so zugetragen hat, lässt sich nicht belegen — die Anekdote taucht erst rund zweihundert Jahre später in der Literatur auf. Was sich belegen lässt: Gegen Ende des 17. Jahrhunderts setzte sich das Aufspriten während der Gärung durch, und genau das macht bis heute den Unterschied zwischen Portwein und einem verstärkten Rotwein.

Der Vertrag, der alles beschleunigte

1703 unterzeichneten England und Portugal den Methuen-Vertrag. Portugiesische Weine kamen zu deutlich niedrigeren Zöllen nach England, im Gegenzug durfte englisches Tuch zollfrei nach Portugal.

Für den Portwein war das der Durchbruch. Britische Handelshäuser siedelten sich in Porto an — Namen, die bis heute auf Etiketten stehen. Der Wein bekam in England einen Spitznamen, der lange hängenblieb: das Getränk der Engländer.

Mit dem Erfolg kam der Betrug. Es wurde gestreckt, gefärbt, gesüßt und Wein aus anderen Regionen als Portwein verkauft. In den 1750er Jahren brach der Ruf ein und die Preise mit ihm.

Pombal zieht die Grenzen

1756 griff der Marquês de Pombal durch. Er gründete die Real Companhia Velha, eine staatliche Gesellschaft mit dem Monopol auf Handel und Qualitätskontrolle, und ließ das Anbaugebiet im Douro-Tal vermessen und abstecken.

Der Schritt richtete sich auch gegen die britischen Handelshäuser, die den Portweinhandel unter sich aufgeteilt hatten. Das Unternehmen gibt es bis heute.

Die Grenzen wurden mit steinernen Markierungen im Gelände festgehalten, den Marcos de Feitoria. Einige dieser Grenzsteine stehen noch heute. Damit war das Douro-Gebiet die erste gesetzlich abgegrenzte Weinregion der Welt — vor Chianti, vor dem Tokajer in seiner heutigen Fassung, vor allem anderen in Europa.

Dazu kamen Qualitätsvorschriften: Wer Portwein verkaufen wollte, musste nachweisen, woher die Trauben stammten. Das Prinzip der geschützten Herkunft, das heute für Champagner, Parmaschinken und tausend andere Erzeugnisse gilt, hat hier seinen Anfang.

1678
Die Kloster-Anekdote — erzählt, aber nicht belegt.
1703
Methuen-Vertrag: Portwein kommt zu niedrigen Zöllen nach England.
1756
Pombal grenzt das Douro-Gebiet ab. Erste geschützte Weinregion der Welt.
2001
Das Alto Douro wird UNESCO-Welterbe.

Was sich in dreihundert Jahren nicht geändert hat: der Zeitpunkt des Aufspritens. Was sich sehr wohl geändert hat, ist die Art, ihn zu trinken — heute gekühlt, je nach Typ bei der passenden Trinktemperatur.

PORTWEIN AUS ALTEN HAEUSERN

SALECruz Tawny Port
Portwein 11,90€12,90€
Lebensmittelangaben· 0.75l · 15,87€/l
Cruz Tawny Port
Niepoort -Tawny
Portwein 12,95€
Lebensmittelangaben· 0.75l · 17,27€/l
Niepoort -Tawny
SALECruz White Port
Portwein 11,90€12,90€
Lebensmittelangaben· 0.75l · 15,87€/l
Cruz White Port

Häufige Fragen

Was uns zur Geschichte des Portweins am häufigsten gefragt wird.

Niemand allein. Der Stil entstand gegen Ende des 17. Jahrhunderts, als englische Händler portugiesischen Wein haltbar machen mussten und Branntwein ins Fass gaben. Dass dabei ein Abt in einem Kloster bei Lamego die entscheidende Rolle gespielt haben soll, wird gern erzählt, lässt sich aber nicht belegen — die Geschichte taucht erst rund zweihundert Jahre später auf.

Ein Handelsabkommen zwischen England und Portugal von 1703. Portugiesischer Wein kam zu niedrigeren Zöllen nach England, englisches Tuch im Gegenzug zollfrei nach Portugal. Für den Portwein war das der wirtschaftliche Durchbruch: Britische Handelshäuser siedelten sich in Porto an, und viele ihrer Namen stehen bis heute auf Etiketten.

Weil es 1756 als erstes Weinbaugebiet überhaupt gesetzlich abgegrenzt wurde. Der Marquês de Pombal ließ die Grenzen vermessen und mit steinernen Markierungen im Gelände festhalten, den Marcos de Feitoria. Einige stehen noch. Es gibt ältere Weinbauregionen, aber keine wurde früher rechtlich geschützt.

Nach der Stadt Porto, über deren Hafen der Wein verschifft wurde. Gewachsen ist er nie in Porto, sondern im Douro-Tal weiter flussaufwärts. Gereift wurde er traditionell in Vila Nova de Gaia am gegenüberliegenden Ufer — dort lagen die Lagerhäuser der Handelshäuser, direkt am Verladeplatz.

Portwein im Tasting erleben

Dreihundert Jahre Handelsgeschichte schmeckt man nicht — die Unterschiede zwischen den Stilen dafür umso mehr, vom Ruby bis zum Vintage. In unseren Wein-Tastings verkosten wir sechs Weine an einem Abend, mit Fingerfood und Erklärungen ohne Fachchinesisch.