Ein paar Tropfen Wasser können Whisky-Aromen öffnen — das ist wissenschaftlich belegt. Das Wasser senkt den Alkoholgehalt, wodurch Aromastoffe wie Guaiacol an die Oberfläche wandern. Am meisten bringt es bei fassstarkem Whisky.
„Darf man Wasser in den Whisky geben?" — die Frage spaltet Genießer, aber die Wissenschaft gibt eine klare Antwort: Ein paar Tropfen können die Aromen tatsächlich öffnen. Eine viel beachtete Studie zweier Chemiker der schwedischen Linnaeus-Universität (Karlsson und Friedman, 2017) hat den Mechanismus gezeigt: Bei hohem Alkoholgehalt bleibt das Aromamolekül Guaiacol — verantwortlich für rauchig-holzige Noten — im Inneren der Flüssigkeit gebunden. Gibt man Wasser hinzu und senkt so den Alkoholgehalt, wandert das Guaiacol an die Oberfläche, näher zur Nase, wo es sein Aroma entfalten kann. Genau deshalb verkosten Profis Whisky oft bei rund 20 Prozent Alkohol, also deutlich verdünnt. Wichtig ist die ehrliche Einordnung: Am meisten bringt das bei fassstarkem Whisky (Cask Strength), dessen hoher Alkohol die feinen Aromen sonst überdeckt. Bei einem bereits auf 40 Prozent herabgesetzten Standard-Whisky ist der Effekt gering. Eine Faustregel aus der Praxis: je älter und eleganter der Whisky, desto weniger Wasser braucht er. Am Ende entscheidet der eigene Gaumen — es gibt kein Richtig oder Falsch, nur ein Herantasten an den persönlichen Lieblingszustand.