Zuckerrohrsaft ist der frisch gepresste Saft der Zuckerrohrpflanze und einer der drei Rohstoffe für Rum. Wird Rum direkt aus diesem Saft gebrannt statt aus Melasse, entsteht der Rhum Agricole — ein grasig-frischer, aromatischer Stil, der vor allem auf den französischen Antilleninseln Martinique und Guadeloupe zu Hause ist.
Um Zuckerrohrsaft zu gewinnen, werden die geernteten Halme zerkleinert und ausgepresst. Anders als bei der Melasse, die erst nach der Zuckergewinnung übrig bleibt, wird hier der reine Saft direkt vergoren und destilliert — ohne den Umweg über die Zuckerproduktion. Das hat einen entscheidenden Haken: Zuckerrohrsaft verdirbt schnell. Er muss innerhalb von etwa 24 bis 36 Stunden nach der Ernte verarbeitet werden, sonst beginnt er unkontrolliert zu gären. Daraus ergibt sich eine praktisch eingebaute Herkunftsgarantie — Rhum Agricole kann nur dort entstehen, wo das Zuckerrohr auch wächst. Geschmacklich unterscheidet sich Zuckerrohrsaft-Rum deutlich vom Melasse-Rum: Er ist trockener, leichter und trägt grasige, florale und pflanzliche Noten, die an frisches Zuckerrohr erinnern. Entstanden ist dieser Weg aus der Not: Als die europäische Zuckerrübe das Rohrzuckergeschäft verdrängte, blieb auf den französischen Antillen Zuckerrohr übrig, das man direkt zu Rum verarbeitete. Nur rund drei bis fünf Prozent der Weltproduktion entstehen auf diese Weise.