Der Colheita ist der stille Star unter den Portweinen: ein Tawny mit Jahrgang. Mindestens sieben Jahre im Holzfass, manche vierzig — und anders als beim Vintage steht auf dem Etikett nicht nur das Erntejahr, sondern auch das Abfülljahr.
Ein Jahrgang, sieben Jahre im Fass
Ein Colheita Port stammt aus den Trauben eines einzigen Jahres und reift mindestens sieben Jahre im Holzfass, bevor er auf die Flasche kommt. Viele bleiben deutlich länger.
Damit steht er zwischen zwei Welten. Den Jahrgang teilt er mit dem Vintage Port, der nur rund zwei Jahre im Fass bleibt und danach in der Flasche reift. Die lange Fassreifung teilt er mit dem Tawny — nur ist der ein Verschnitt mehrerer Jahrgänge.
Der Unterschied zum Tawny ist damit genau einer: Ein Tawny mit Altersangabe nennt ein Durchschnittsalter, ein Colheita ein Erntejahr.
Was im Glas passiert
Junge Colheitas zeigen noch Rot, ältere gehen ins Bernsteinfarbene bis Mahagoni. Die Jahre im Fass bringen Sauerstoff an den Wein, und der verwandelt die Frucht: Aus Kirsche und Pflaume werden getrocknete Früchte, Feige und Orangenzeste.
Dazu kommen Nuss, Gewürznelke und Honig, bei sehr alten Flaschen Karamell und Kaffee. Je länger das Fass, desto feiner das Bild — und desto weniger erinnert der Wein an seinen Jahrgang.
Servieren und lagern
- Serviertemperatur
- 14 bis 16 °C
- Dekantieren
- nicht nötig
- Lagerung
- kühl, dunkel, liegend
- Nach dem Öffnen
- mehrere Wochen
Dekantieren ist beim Colheita nicht nötig: Er reift im Fass, wird gefiltert abgefüllt und setzt deshalb kein Depot an. Das unterscheidet ihn vom Vintage, der ohne Filtration in die Flasche geht.
Leicht gekühlt schmeckt ein Colheita frischer und die Nussnoten treten klarer hervor — wie beim Tawny, mit dem er die Reifung teilt. Bei Zimmertemperatur drängt sich der Alkohol nach vorn.
Wenn es keinen Colheita gibt
Colheitas sind selten, und wir führen derzeit keinen. Wer den Stil kennenlernen will, findet ihn im Tawny: dieselbe oxidative Reifung im Fass, dieselben Nuss- und Dörrobstnoten — nur ohne Jahrgang auf dem Etikett.
Der Weg dorthin ist kurz. Ein Zehnjähriger zeigt, wohin die Fassreifung führt; wer den Unterschied zum Colheita sucht, sucht am Ende nur den Jahrgang.
STATTDESSEN: UNSERE TAWNY PORTS
Häufige Fragen
Was uns zum Colheita am häufigsten gefragt wird.
Der Jahrgang. Beide reifen lange im Holzfass und entwickeln dabei denselben nussig-oxidativen Charakter. Ein Tawny mit Altersangabe ist ein Verschnitt mehrerer Jahrgänge, dessen Durchschnittsalter auf dem Etikett steht. Ein Colheita stammt aus einem einzigen Erntejahr.
Nein, obwohl beide einen Jahrgang tragen. Der Vintage reift nur rund zwei Jahre im Fass und danach jahrzehntelang in der Flasche, ungefiltert und mit Depot. Der Colheita reift mindestens sieben Jahre im Fass, kommt gefiltert auf die Flasche und ist beim Kauf trinkreif.
Nein. Durch die lange Fassreifung und die Filtration vor der Abfüllung bildet sich kein Depot. Anders als beim Vintage gießt du ihn einfach ein.
Die erste ist das Erntejahr, die zweite das Abfülljahr. Aus der Differenz liest du ab, wie lange der Wein im Fass lag — bei manchen Flaschen sind das vierzig Jahre und mehr.
Portwein im Tasting erleben
Ein Tawny neben einem Ruby zu probieren, erklärt in zehn Minuten, was Fassreifung mit einem Wein macht. In unseren Wein-Tastings verkosten wir sechs Weine an einem Abend, mit Fingerfood und ohne Fachchinesisch.




