Als Angel's Share (Engelsanteil) bezeichnet man den Teil des Whiskys, der während der Fassreifung durch das poröse Eichenholz verdunstet. In Schottland sind das rund zwei Prozent pro Jahr — in heißen Klimazonen deutlich mehr.
Whisky im Fass ist kein abgeschlossenes System: Eiche ist porös, und Jahr für Jahr entweicht ein kleiner Teil des Inhalts als Dampf in die Luft. Früher rätselten die Brenner über die halbleeren Fässer und gaben dem Schwund einen poetischen Namen — den „Anteil der Engel". In Schottlands kühl-feuchtem Klima sind es etwa zwei Prozent pro Jahr, in Kentucky bis zu fünf, in Taiwan oder Indien sogar 8 bis 15 Prozent. Jetzt kommt der Teil, den kaum jemand richtig weiß: Ob dabei der Alkoholgehalt steigt oder fällt, hängt vom Klima ab. Im feuchten Schottland verdunstet mehr Alkohol als Wasser — der Whisky wird über die Jahre schwächer. Im trockenen Kentucky ist es umgekehrt: Dort verdunstet mehr Wasser, der Bourbon verlässt das Fass stärker, als er hineinkam. Das ist auch der Grund, warum sehr alter Scotch selten und teuer ist: Fällt der Alkoholgehalt unter die gesetzliche Grenze von 40 Prozent, darf die Spirituose nicht mehr Whisky heißen — die Zeit im Fass ist also ein Wettlauf gegen die Verdunstung. Was verloren geht, zahlt sich im Glas aus: Mit dem Schwund konzentrieren sich die Aromen, und das Holz gibt Vanille, Honig und Würze ab.
Verwandte Begriffe: Mash Bill (Getreidemischung) und Dunnage-Lagerhaus.