Gletscherwein ist eine oxidativ gereifte Rarität aus dem Val d'Anniviers im Wallis, traditionell aus der alten Sorte Rèze. Er reift jahrelang in Lärchenfässern nach einem Solera-ähnlichen System.
Gletscherwein ist eine der eigenwilligsten Weinraritäten der Alpen. In den Bergdörfern des Val d'Anniviers oberhalb von Sierre reift er hoch am Berg, nahe den Gletschern, in alten Lärchenholzfässern. Das Besondere ist der Ausbau: Über Jahre, oft ein Jahrzehnt und länger, werden die Fässer jährlich mit jungem Wein nachgefüllt — ein Solera-ähnliches Verfahren wie beim Sherry. Durch die bewusste Oxidation entsteht ein bernstein- bis braunfarbener Wein mit nussigen, würzigen Aromen (oft nach Liebstöckel), 13–16 % Alkohol und einem sherryartigen Charakter. Traditionell kommt er aus der uralten weißen Sorte Rèze, heute oft ergänzt oder ersetzt durch Fendant und andere. Gletscherwein wurde jahrhundertelang von Dorfgemeinschaften als gemeinsames Gut gehütet. Man nennt ihn zu Recht den „Sherry des Wallis".