Das Solera-System ist ein Reifeverfahren, bei dem Fässer verschiedener Altersstufen gestaffelt sind und laufend verschnitten werden — aus der untersten Reihe (der „Solera") wird abgefüllt, aus den oberen (den „Criaderas") jüngerer Brand nachgefüllt. Ursprünglich aus Jerez für Sherry und Brandy, reift heute auch Rum so. Die Altersangabe meint das älteste, nicht das durchschnittliche Alter.
Das Solera-System stammt aus dem südspanischen Jerez, wo seit Jahrhunderten Sherry und Brandy so reifen. Der Name kommt von der untersten Fassreihe, spanisch solera („am Boden liegend"); die darüber gestapelten Reihen heißen Criaderas („Brutstätten"). Aus der Solera wird höchstens ein Drittel abgefüllt, dann aus der nächsthöheren Criadera nachgefüllt, und so weiter bis zur obersten Reihe, in die frisches Destillat kommt. Weil kein Fass je ganz geleert wird, mischen sich alle Altersstufen — man spricht von „Vermählung". Das Ergebnis ist eine über Jahre gleichbleibende Qualität. Spanische Auswanderer brachten das Verfahren nach Mittel- und Südamerika, weshalb heute viele Solera-Rums aus Guatemala, Venezuela, der Dominikanischen Republik oder Kolumbien stammen — Zacapa, Botran, Santa Teresa oder Dictador sind bekannte Beispiele. Wichtig zur Einordnung: Die Zahl auf einem Solera-Rum führt leicht in die Irre. Anders als beim Whisky, wo das jüngste enthaltene Destillat deklariert werden muss, darf beim Rum oft das älteste im System angegeben werden. Ein „23" auf einem Solera-Rum meint dann den ältesten Tropfen der Solera, nicht das tatsächliche Durchschnittsalter — der Großteil des Inhalts ist deutlich jünger.
Siehe auch: Mavrodaphni, Gletscherwein.