Overproof-Rum ist Rum mit deutlich erhöhtem Alkoholgehalt — meist 57 bis über 75 Prozent, gegenüber den üblichen 40 Prozent. Der Begriff stammt aus dem britischen Proof-System: „Proof" (100 British Proof) entspricht 57,15 Prozent, alles darüber gilt als „overproof". Eng verwandt, aber nicht dasselbe ist die Navy Strength.
Der Begriff geht auf die Zeit vor den Alkoholmessgeräten zurück. Um zu prüfen, ob ein Rum stark genug war, mischte man ihn der Überlieferung nach mit Schießpulver und zündete ihn an: Brannte er, galt er als „proof". Diese Schwelle wurde später als 100 British Proof festgelegt und entspricht 57,15 Prozent Alkohol. Stärkerer Rum ist „overproof", schwächerer „underproof". Im US-System dagegen ist Proof schlicht der doppelte Alkoholwert — der berühmte „151"-Rum steht dort für 75,5 Prozent. Häufig taucht im selben Zusammenhang die Navy Strength auf, meist mit 57 Prozent angegeben. Hier lohnt eine Richtigstellung: Die tatsächliche Ausgabestärke der Royal Navy lag ab 1866 bei rund 54,5 Prozent, nicht bei 57. Viele Marken, die „Navy Strength" mit 57 Prozent gleichsetzen, verwechseln damit die reine Proof-Marke mit der historischen Navy-Stärke. Beide Zahlen stimmen — aber für Verschiedenes. Overproof-Rums wie Wray & Nephew mit 63 Prozent sind selten pur gedacht, sondern liefern Wucht in Cocktails. Nicht zu verwechseln ist Overproof mit der Fassstärke (Cask Strength): Diese meint unverdünnt ab Fass abgefüllten Rum, keine feste Zielstärke.