Das Depot ist der Bodensatz, der sich in vielen gereiften Rotweinen bildet. Es besteht aus Farb- und Gerbstoffen, die sich mit den Jahren verbinden und absetzen. Ein Depot ist kein Weinfehler, im Glas stört es aber: Es schmeckt bitter und fühlt sich sandig an. Deshalb dekantierst du solche Weine, bevor du sie einschenkst.
Woraus das Depot besteht
Ein junger Rotwein enthält Farbstoffe und Gerbstoffe, die er aus den Schalen der Trauben mitbringt. Während der Flaschenreife verbinden sich diese Stoffe langsam zu größeren Teilchen. Irgendwann sind sie zu schwer, um im Wein gelöst zu bleiben, und sinken ab. So entsteht das Depot.
Das erklärt auch, warum ein gereifter Rotwein heller wird und seine Gerbstoffe weicher wirken: Ein Teil davon liegt jetzt als Satz am Boden der Flasche.
Bei Weinen, die ohne Filtration abgefüllt wurden, können zusätzlich Reste von Hefe und Trubstoffen in der Flasche sein. Auch das ist kein Fehler, sondern eine bewusste Entscheidung des Winzers.
Kristalle im Weißwein: Weinstein
Findest du kleine, glasklare Kristalle am Boden einer Weißweinflasche oder an der Unterseite des Korkens, ist das kein Zucker und kein Glas. Es ist Weinstein, ein Salz der Weinsäure, das bei Kälte auskristallisiert. Er hat keinen Einfluss auf den Geschmack und ist kein Weinfehler. Oft zeigt er nur, dass die Flasche eine Zeit lang sehr kalt stand.
Auch Rotwein kann Weinstein bilden, dort ist er durch die Farbstoffe dunkelrot gefärbt.
Welche Weine ein Depot haben
- Gereifte Rotweine mit viel Gerbstoff, etwa aus Barolo, Rioja Gran Reserva, dem Bordeaux oder dem Douro, nach einigen Jahren Flaschenreife.
- Vintage Port und Crusted Port, die unfiltriert abgefüllt werden und in der Flasche reifen.
- Unfiltrierte Weine, bei denen Hefe und Trub bewusst in der Flasche bleiben.
Junge, leichte Rotweine und die meisten Weißweine haben dagegen kein Depot. Wann ein Wein seinen Höhepunkt erreicht, liest du im Beitrag über die Trinkreife.
So dekantierst du Schritt für Schritt
- Flasche aufstellen: Stell die Flasche am besten einen Tag vorher aufrecht hin, mindestens aber einige Stunden. So sinkt das Depot, das bei liegender Lagerung an der Flaschenwand haftet, auf den Boden.
- Vorsichtig öffnen: Beweg die Flasche so wenig wie möglich. Alte Korken sind oft brüchig. Wie du sie heil herausbekommst, steht im Beitrag Weinflasche öffnen.
- Licht unter den Flaschenhals: Halte eine Kerze oder die Taschenlampe deines Handys unter den Hals der Flasche. So siehst du, wann der Satz nach vorne wandert.
- Langsam und gleichmäßig gießen: Neig die Flasche und lass den Wein in einem ruhigen Strahl an der Innenwand der Karaffe herunterlaufen. Setz dabei nicht ab, sonst schwappt das Depot zurück in den Wein.
- Rechtzeitig stoppen: Sobald der Satz den Flaschenhals erreicht, hörst du auf. Der letzte Schluck mit dem Depot bleibt in der Flasche.
Kein ruhiges Händchen? Ein feines Sieb oder ein sauberes Baumwolltuch über der Karaffe fängt die gröbsten Teilchen auf.
Dekantieren oder Karaffieren?
Beim Dekantieren geht es darum, den Wein vom Depot zu trennen. Gereifte Weine sind an der Luft empfindlich, deshalb dekantierst du sie erst kurz vor dem Trinken und nimmst eine schlanke Karaffe.
Beim Karaffieren geht es um Luft: Ein junger, kräftiger Rotwein wird in eine bauchige Karaffe gegossen, damit er sich öffnet und seine Gerbstoffe runder wirken. Ein Depot spielt dabei keine Rolle. Mehr dazu im Beitrag Wann dekantiert man Wein?
Rotweine mit Jahren Flaschenreife
Depot vermeiden, wo es nicht hingehört
Damit das Depot in der Flasche bleibt, hilft die richtige Lagerung: Flaschen mit Naturkorken liegen, und zwar ruhig an einem festen Platz. Jedes Umräumen wirbelt den Satz auf. Wie du Wein am besten aufbewahrst, liest du im Beitrag über die Weinlagerung.
Häufige Fragen zum Depot im Wein
Die Antworten auf die Fragen, die uns zum Bodensatz im Wein am häufigsten erreichen.
Nein. Das Depot ist kein Weinfehler, sondern ein Zeichen von Reife. Im Glas stört es aber, weil es bitter schmeckt und sich sandig anfühlt. Deshalb dekantierst du den Wein vorher.
Vor allem aus Farb- und Gerbstoffen, die sich während der Flaschenreife verbinden und absetzen. Bei unfiltrierten Weinen können Reste von Hefe dazukommen.
Das ist Weinstein, ein Salz der Weinsäure, das bei Kälte auskristallisiert. Er verändert den Geschmack nicht und ist kein Weinfehler.
Am besten einen Tag, mindestens einige Stunden. So sinkt der Satz auf den Boden der Flasche und bleibt beim Dekantieren zurück.
Beim Dekantieren trennst du den Wein vom Depot. Beim Karaffieren gibst du einem jungen Wein Luft, damit er sich öffnet.
Gereifte Weine gemeinsam öffnen
Einen alten Rotwein zu dekantieren und dann zu probieren, ist ein kleines Ritual. In unseren Tastings zeigen wir dir, wie es geht und wie sich ein gereifter Wein im Glas entwickelt.




