Lagerfähigkeit beschreibt, wie lange ein Wein reifen kann, bevor er seinen Höhepunkt (die Trinkreife) erreicht. Entscheidend sind nicht Farbe oder Preis, sondern die innere Struktur aus Tannin, Säure und Zucker. Die meisten Weine sind schon beim Kauf trinkreif und werden nicht besser — nur eine Minderheit profitiert von langer Lagerung.
„Wird der nicht besser, wenn ich ihn noch liegen lasse?" — diese Frage stellt sich vielen. Die ehrliche Antwort lautet meistens: nein. Denn die weitverbreitete Vorstellung, jeder Wein gewinne mit den Jahren, ist einer der hartnäckigsten Irrtümer rund um den Wein.
Ob ein Wein reifen kann, hängt nicht von seiner Farbe oder seinem Preis ab, sondern von seiner inneren Struktur — man könnte sie die Architektur des Weins nennen. Drei Bausteine tragen sie: Tannin, Säure und Zucker. Sie wirken wie natürliche Konservierungsstoffe und geben dem Wein das Rückgrat, um über Jahre zu reifen und dabei an Komplexität zu gewinnen. Fehlen sie, verliert der Wein schnell an Spannung. Zu den echten Reifekandidaten zählen tanninreiche Rotweine wie Cabernet Sauvignon, Nebbiolo oder Syrah, säurebetonte Weißweine wie Riesling und Grüner Veltliner sowie edelsüße Weine, die dank ihres Zuckers sogar Jahrzehnte überdauern können.
Zwei Richtigstellungen sind wichtig. Erstens: Die allermeisten Weine im Handel sind bereits trinkreif und für den baldigen Genuss gemacht — man muss keine Scheu haben, sie zu öffnen. Zweitens: Dunkle Farbe sagt nichts über Reifepotenzial. Ein heller Spätburgunder etwa reift hervorragend, obwohl seine Farbe blass wirkt. Wer wissen will, ob ein bestimmter Wein Lagerung verträgt, findet auf dem Rückenetikett oder in der Weinbeschreibung meist einen Hinweis. Im Zweifel gilt: Ein trinkreifer Wein, den man heute genießt, ist mehr wert als eine Flasche, die man zu lange aufhebt und deren besten Moment man verpasst.
Siehe auch: Weinlagerung.